Biegebalken Rechner

Biegemoment · Durchbiegung · Biegespannung · Statik

Biegebalken-Rechner


Gleichmäßig verteilte Last (z. B. Deckeneigenlast + Nutzlast)

Formeln & Diagramme

Einfach gelagerter Träger
Biegebalken
Mmax in Mitte, f_max in Mitte
Gleichstreckenlast (einf. gelagert):
M_max = q · L² / 8  [kN·m]
f_max = 5·q·L⁴ / (384·E·I)  [mm]
A_L = A_R = q·L/2 (Auflagerkräfte)
Einzellast F in Trägermitte:
M_max = F · L / 4  [kN·m]
f_max = F·L³ / (48·E·I)  [mm]
A_L = A_R = F/2 (Auflagerkräfte)
Kragarm
Biegebalken
(eingespannt)                           (frei)

M_max an Einspannung, f_max am Ende
Kragarm – Einzellast am freien Ende:
M_max = F · L  [kN·m]
f_max = F·L³ / (3·E·I)  [mm]
Biegespannung:
σ_b = M / W_y = M · e / I  [N/mm²]
W_y = I / e  [cm³]
e = Randfaserabstand [mm]
Durchbiegungsgrenzwerte (EC3/EC5):
f_lim = L / 300  (Wohndecken, Nutzlast)
f_lim = L / 250  (Stahl allgemein)
f_lim = L / 500  (Trennwände drauf)
L = Stützweite in mm; f in mm vergleichen

Symbolerklärung
qGleichstreckenlast [kN/m]
FEinzellast [kN]
LStützweite / Länge [m]
EElastizitätsmodul [N/mm²]
I_yFlächenträgheitsmoment [cm⁴]
eRandfaserabstand [mm]
M_maxMaximales Biegemoment [kN·m]
f_maxMaximale Durchbiegung [mm]
σ_bBiegespannung [N/mm²]
W_yWiderstandsmoment [cm³]


Biegebalken – Grundlagen der Statik

Was ist ein Biegebalken?

Ein Biegebalken ist das grundlegendste Tragwerkselement im Bauwesen. Er überträgt senkrecht zu seiner Längsachse wirkende Lasten über Biegemomente und Querkräfte zu den Auflagern. Jede Decke, jeder Unterzug, jeder Stahlträger und jede Holzpfette ist im Kern ein Biegebalken – und muss auf ausreichende Tragfähigkeit (Biegespannung ≤ zulässige Spannung) und Gebrauchstauglichkeit (Durchbiegung ≤ Grenzwert) nachgewiesen werden.

E-Moduln häufiger Baustoffe
BaustoffE [N/mm²]f_yk [N/mm²]
Stahl S235210 000235
Stahl S355210 000355
Beton C25/3031 000
Beton C35/4535 000
Holz GL28h12 60028
Aluminium70 000~270
Typische Stahlprofile I_y [cm⁴]
ProfilI_y [cm⁴]W_y [cm³]
IPE 2001 943194
IPE 2705 790429
IPE 36016 270904
HEB 2005 696570
HEB 30025 1701678

Detaillierte Formelherleitung

1. Biegemoment und Querkraft – einfach gelagerter Balken, Gleichstreckenlast
Auflagerkräfte:   A_L = A_R = q · L / 2
Querkraftverlauf: linear von +qL/2 (links) nach –qL/2 (rechts)
Biegemoment max. in Mitte:   M_max = q · L² / 8
Beispiel: q = 10 kN/m, L = 5 m → M_max = 10 × 25 / 8 = 31,25 kN·m
2. Durchbiegung – Gleichstreckenlast (Euler-Bernoulli)
f_max = 5 · q · L⁴ / (384 · E · I)
Einheiten: q [N/mm] (1 kN/m = 1 N/mm), L [mm], E [N/mm²], I [mm⁴], f [mm]
Beispiel: q = 10 kN/m = 10 N/mm, L = 5 000 mm, E = 210 000 N/mm², I = 5 790 cm⁴ = 57,9×10⁶ mm⁴
f = 5 × 10 × 5000⁴ / (384 × 210 000 × 57 900 000) = 3,56 mm
Grenzwert L/300 = 5000/300 = 16,7 mm → ✓ eingehalten
3. Biegespannung nach Navier
σ_b = M / W_y = M · e / I_y
W_y = I_y / e = Widerstandsmoment [cm³]
Beispiel: M = 31,25 kN·m, I_y = 5 790 cm⁴, e = 135 mm (IPE 270 h/2)
σ = 31,25 × 10⁶ N·mm × 135 mm / (5 790 × 10⁴ mm⁴) = 72,8 N/mm²
Stahl S235: σ_zul = 235/1,1 = 214 N/mm² → ✓ ausreichend
4. Kragarm – maximales Biegemoment und Durchbiegung
M_max = F · L  (an der Einspannstelle)
f_max = F · L³ / (3 · E · I)  (am freien Ende)
Achtung: Kragarm hat 16× größere Durchbiegung als einf. gelagerter Balken gleicher Länge bei Einzellast (f_Kragarm/f_einf = 48/3 = 16 ×). Querschnittserhöhung oder kürzerer Kragarm empfehlenswert.

Praxisbeispiel: Deckenbalken im Wohnungsbau

Aufgabe:

Holzbalkendecke: Trägerlänge L = 4,0 m, Achsabstand 0,625 m. Lasten: Eigengewicht 0,75 kN/m² + Nutzlast 2,0 kN/m² = 2,75 kN/m². Streckenlast je Balken: q = 2,75 × 0,625 = 1,72 kN/m. Holz GL28h: E = 12 600 N/mm². Querschnitt b/h = 8/22 cm.

Lösung:
  • I_y = 8 × 22³/12 = 7 099 cm⁴
  • M_max = 1,72 × 4,0² / 8 = 3,44 kN·m
  • W_y = 7099 / 110 mm = 645 cm³ → σ = 3440000 × 110 / (7099 × 10⁴) = 5,3 N/mm² < 28 N/mm² ✓
  • f = 5 × 1,72 × 4000⁴ / (384 × 12600 × 70990000) = 8,1 mm
  • Grenzwert L/300 = 13,3 mm → ✓ eingehalten

Häufige Fragen

Eurocode 3 (Stahl) und EC5 (Holz) geben typische Grenzwerte: L/300 für charakteristische Nutzlast (Wohndecken), L/250 für Gesamtdurchbiegung bei Stahl, L/500 wenn nicht-tragende Trennwände aufgesetzt werden. Die konkreten Anforderungen hängen von der Nutzung, dem Ausbaustandard und den nationalen Anhängen ab – stets mit dem Tragwerksplaner abstimmen.

I_y (Flächenträgheitsmoment) beschreibt den Widerstand des Querschnitts gegen Biegeverformung – es geht in die Durchbiegungsformel ein. W_y = I_y / e (Widerstandsmoment) beschreibt den Widerstand gegen Biegespannung – es geht in die Spannungsformel σ = M/W ein. Beide Kennwerte steigen mit größerer Querschnittshöhe h: I ∝ h³, W ∝ h². Deshalb ist eine Erhöhung des Querschnitts sehr viel wirksamer als eine Verbreiterung.

Der einfach gelagerte Balken mit Einzellast in Mitte hat f = FL³/(48EI), der Kragarm f = FL³/(3EI). Das Verhältnis ist 48/3 = 16-fach! Ursache: Der Kragarm ist an einem Ende eingespannt (erzwingt Momentenübertragung) und kann am freien Ende ungehindert ausweichen. Kragarme werden deshalb typisch mit deutlich größeren Querschnitten ausgeführt oder begrenzt auf L ≤ 1,5–2 m.

Rechteckquerschnitt (Breite b, Höhe h):   I_y = b·h³ / 12 [cm⁴] bei Eingabe in cm.
Widerstandsmoment: W_y = b·h²/6 [cm³]
Beispiel: b = 20 cm, h = 30 cm → I_y = 20×27000/12 = 45 000 cm⁴, W_y = 20×900/6 = 3 000 cm³

Für Stahlbetonträger gelten die Formeln qualitativ – der E-Modul des Betons (z. B. C25/30: 31 000 N/mm²) und das Flächenträgheitsmoment des ideellen Querschnitts sind einzusetzen. Bei Stahlbeton ist aber der gerissene Zustand (Zustand II) maßgebend – die effektive Biegesteifigkeit EI_eff ist kleiner als die des Bruttoquerschnitts. Für genaue Berechnungen sollte EC2 und ggf. eine Statik-Software verwendet werden.

Zusammenfassung

Biegemoment

M = q·L²/8  |  M = F·L/4
Kragarm: M = F·L

Durchbiegung

f = 5qL⁴/(384EI)
Grenzwert: L/300 bis L/500

Biegespannung

σ = M / W_y
≤ f_yk / γ_M (Nachweis)

Typische Anwendungen
  • Hochbau: Holzbalkendecken, Stahlunterzüge, Stahlbeton-Plattenbalken
  • Industriebau: Kranbahnen, Laufstege, Kranträger (Einfeldträger)
  • Brückenbau: Brückenträger, Nebenträger, Querträger
  • Maschinenbau: Maschinengestelle, Führungsschienen, Prüfrahmen
  • Kragarm: Balkone, Auskragungen, Konsolenträger

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