Flächenträgheitsmoment Rechner

I_y · W_y · Querschnittsauslegung · Steiner-Anteil

Querschnitts-Rechner


Rechteck

Formeln & Querschnittsübersicht

Rechteck (b × h):
I_y = b · h³ / 12  [cm⁴]
W_y = b · h² / 6  [cm³]
e = h/2  |  A = b · h [cm²]
Rechteck-Hohlprofil (konzentrisch):
I_y = (b_a · h_a³ − b_i · h_i³) / 12  [cm⁴]
W_y = I_y / (h_a/2)  [cm³]
Kreis (Vollquerschnitt, ∅ d):
I_y = π · d⁴ / 64  [cm⁴]
W_y = π · d³ / 32  [cm³]
e = d/2
Kreisring / Rohr (D außen, d innen):
I_y = π · (D⁴ − d⁴) / 64  [cm⁴]
W_y = I_y / (D/2)  [cm³]
I-/H-Profil (vereinfacht):
I_y = (b·H³ − (b−t_w)·h_w³) / 12  [cm⁴]
h_w = H − 2·t_f (Steghöhe)
W_y = I_y / (H/2)  [cm³]
Steiner'scher Anteil (Parallelachsenversatz):
I_gesamt = I_S + A · d²  [cm⁴]
I_S = Eigenträgheitsmoment im Schwerpunkt
A = Fläche des Teilquerschnitts, d = Achsabstand
Widerstandsmoment (allgemein):
W_y = I_y / e  [cm³]
e = Abstand Schwerpunkt – Randfaser [mm → cm: /10]

Einheiten & Umrechnungen
I [cm⁴]× 10⁴ → mm⁴   ÷ 10⁴ → m⁴
W [cm³]× 10³ → mm³   σ = M[kN·m]×10⁶ / W[mm³]
A [cm²]× 100 → mm²   ÷ 10⁴ → m²

Richtwerte Stahlprofile
ProfilI_y [cm⁴]W_y [cm³]A [cm²]
IPE 2001 94319428,5
IPE 2705 79042945,9
IPE 36016 27090472,7
HEB 2005 69657078,1
HEB 30025 1701 678149,1


Flächenträgheitsmoment – Grundlagen & Bedeutung

Was ist das Flächenträgheitsmoment?

Das Flächenträgheitsmoment I_y (auch: axiales Flächenträgheitsmoment, zweites Flächenmoment) ist die wichtigste Querschnittskennzahl für biegebeanspruchte Bauteile. Es beschreibt, wie widerstandsfähig ein Querschnitt gegen Biegung in Bezug auf eine bestimmte Achse ist. Je größer I_y, desto kleiner die Durchbiegung und Biegespannung bei gleicher Belastung – deshalb sind I-Träger so effizient: Ihr Material sitzt möglichst weit von der neutralen Faser entfernt.

I_y steigt mit h³ – nicht linear!

Beim Rechteck I = b·h³/12:

Breite bHöhe hI_y [cm⁴]
10 cm10 cm833
10 cm20 cm6 667
10 cm30 cm22 500
20 cm10 cm1 667
Höhenverdopplung: I × 8 | Breitenverdopplung: I × 2
Widerstandsmoment W_y

W_y = I_y / e  →  σ_b = M / W_y

ProfilW_y [cm³]Wirkung
b/h = 10/10167Basis
b/h = 10/206674-fach
b/h = 10/301 5009-fach
IPE 270429effizient

Herleitung und Bedeutung der Formeln

1. Definition – Flächenträgheitsmoment
Allgemeine Definition (Integral):
I_y = ∫ z² · dA  [cm⁴]
z = Abstand eines Flächenelements dA von der Biegeachse y. Bei Rechteck: Integration über alle Streifen b·dz von –h/2 bis +h/2 ergibt b·h³/12.
2. Steiner'scher Anteil (Verschiebungssatz)
I_y,neu = I_S + A · d²
I_S = Eigenträgheitsmoment (bezogen auf eigene Schwerpunktachse)
A = Fläche des Teilquerschnitts, d = Abstand der Schwerpunktachse zur neuen Achse
Anwendung: T-Profile, Verbundquerschnitte, zusammengesetzte Querschnitte
Wichtig: Der Steiner-Anteil A·d² kann viel größer als I_S sein – Material weit von der Achse ist sehr wirksam!
3. Polares Flächenträgheitsmoment (Torsion)
I_p = I_y + I_z  (Satz von Steiner, bei Kreis: I_p = π·d⁴/32)
Gilt für Kreisquerschnitte; für offene Profile ist die Torsionssteifigkeit I_T gesondert zu bestimmen.

Praxisbeispiel: T-Querschnitt aus zwei Rechtecken

Aufgabe:

T-Querschnitt: Flansch 20 × 3 cm, Steg 3 × 17 cm. Gesamthöhe H = 20 cm. Schwerpunkt bestimmen, dann I_y berechnen.

Lösung:
  • A₁ (Flansch) = 20 × 3 = 60 cm², z₁ = 20 − 1,5 = 18,5 cm (von UK)
  • A₂ (Steg) = 3 × 17 = 51 cm², z₂ = 17/2 = 8,5 cm (von UK)
  • Schwerpunkt: ȳ = (60 × 18,5 + 51 × 8,5) / (60+51) = 14,0 cm von UK
  • I_S1 = 20×3³/12 = 45 cm⁴  |  d₁ = 18,5−14,0 = 4,5 cm → Steiner: 60×4,5² = 1215 cm⁴
  • I_S2 = 3×17³/12 = 1240 cm⁴  |  d₂ = 14,0−8,5 = 5,5 cm → Steiner: 51×5,5² = 1543 cm⁴
  • I_y = 45+1215+1240+1543 = 4 043 cm⁴
  • W_y,oben = 4043/(20−14) = 674 cm³  |  W_y,unten = 4043/14 = 289 cm³

Häufige Fragen

I_y ist das Flächenträgheitsmoment um die horizontale y-Achse (Biegung in der Vertikalebene, „starke Achse"). I_z ist das Moment um die vertikale z-Achse (Biegung in der Horizontalebene, „schwache Achse"). Bei I-Profilen ist I_y ≫ I_z – deshalb müssen sie immer in der starken Achse eingebaut werden. Beim Rechteck (b < h): I_y = b·h³/12 (stark), I_z = h·b³/12 (schwach).

Bei einem I-Träger sitzt das meiste Material in den Flanschen, weit entfernt von der neutralen Faser. Der Steiner-Anteil A·d² wächst mit dem Quadrat des Abstands – je weiter weg, desto größer der Beitrag zu I_y. Gleichzeitig ist der Steg nur dünn, da er hauptsächlich Querkräfte trägt. Ergebnis: maximales I_y bei minimalem Materialeinsatz. Ein IPE 270 hat I_y = 5 790 cm⁴ bei nur 45,9 cm² Fläche (Vollrechteck 18×27 würde 29 524 cm⁴ bei 486 cm² benötigen – 10× mehr Material für 5× mehr I).

Immer wenn der Schwerpunkt des Teilquerschnitts nicht auf der Biegeachse liegt. Typische Fälle: T-Träger aus zwei Rechtecken, Verbundquerschnitte (Stahl + Beton), asymmetrische Querschnitte, zusammengesetzte Profile. Formel: I_y = Σ(I_Si + A_i · d_i²) über alle Teilflächen. Zuerst den gemeinsamen Schwerpunkt bestimmen, dann die Abstände d_i berechnen.

Im Bauwesen wird I_y üblicherweise in cm⁴ angegeben (Profilkataloge, Normentabellen). Für Spannungsberechnungen muss in mm⁴ umgerechnet werden: 1 cm⁴ = 10⁴ mm⁴. Das Widerstandsmoment W_y steht in cm³ (Profilkataloge) oder mm³ (Spannungsberechnung): σ [N/mm²] = M [kN·m] × 10⁶ / W_y [mm³] = M [kN·m] × 10⁶ / (W_y [cm³] × 10³).

I_p = I_y + I_z ist das polare Flächenträgheitsmoment, das die Torsionssteifigkeit rotationssymmetrischer Querschnitte (Wellen, Rohre) beschreibt. Für Kreisquerschnitt: I_p = π·d⁴/32, Torsionswiderstand W_p = π·d³/16. Für Kreisring: I_p = π·(D⁴−d⁴)/32. Für offene Profile (I, U, T) ist I_p nicht maßgebend; dort wird I_T (Torsionssteifigkeit) nach Bredt oder Tabelle bestimmt.

Zusammenfassung

Flächenträgheitsmoment

I_y = b·h³/12 | π·d⁴/64
Einheit: cm⁴ | mm⁴

Widerstandsmoment

W_y = I_y / e
σ = M / W_y [N/mm²]

Steiner-Anteil

I_ges = I_S + A·d²
Für zusammengesetzte Profile

Typische Anwendungen
  • Trägerauslegung: Stahlträger, Holzbalken, Betonplatten dimensionieren
  • Profil­vergleich: Welches I-Profil reicht für ein gegebenes Biegemoment?
  • Verbundquerschnitte: Stahl-Beton-Verbund, Holz-Stahl-Verbund (mit Steiner)
  • Maschinenbau: Wellen (polare Trägheitsmoment), Prüfrahmen, Führungen
  • Rohre und Hohlprofile: Kranausleger, Rahmen, Stützen

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