Knicklast Rechner (Euler)

Knicklast · Knickspannung · Schlankheitsgrad · Knicknachweis

Knicklast-Rechner


Knicklast
Fall 1
einf.–einf.
Knicklast
Fall 2
einf.–fest
Knicklast
Fall 3
fest–fest
Knicklast
Fall 4
Kragstütze
Oder manuellen β-Wert eingeben:
β = Knicklängenbeiwert
Maßgebend ist immer I_min (schwache Achse)!
IPE 240: I_z = 284 cm⁴, IPE 300: I_z = 604 cm⁴

Euler-Fälle & Formeln

Euler-Knicklast (allgemein):
F_krit = π² · E · I / (β · L)²  [N]
β = Knicklängenbeiwert | L = Systemlänge | L_k = β·L = Knicklänge
Knicklängenbeiwerte β nach Euler-Fällen:
FallLagerungβTypische Anwendung
Euler 1gelenkig – gelenkig1,0Fachwerkstäbe
Euler 2gelenkig – eingespannt0,7Hallenst. (oben frei)
Euler 3eingespannt – eingespannt0,5Rahmenstützen
Euler 4eingespannt – frei (Kragst.)2,0Masten, Kamine
Knickspannung:
σ_krit = π² · E / λ²  [N/mm²]
λ = L_k / i = β · L / i  (Schlankheitsgrad)
i = √(I / A)  [mm] Trägheitsradius
Schlankheitsgrenzwerte (Anhaltswerte):
λ ≤ 100 Stahl-Druckstäbe (EC3, üblich)
λ ≤ 150 Holz-Stützen (EC5)
λ ≤ 200 Winkelprofile, Sekundärstäbe
Gültigkeitsbereich Euler: σ_krit ≤ Proportionalitätsgrenze (ca. 2/3 f_y)
Knicknachweis (vereinfacht):
F_Ed ≤ F_krit / γ
γ = 1,5 (EC3 Sicherheitsformat) oder γ = 3 (klassischer Euler-Nachweis)
Ausnutzungsgrad η = F_Ed / (F_krit / γ) ≤ 1,0

Symbolerklärung
F_kritKritische Knicklast (Euler) [N]
EElastizitätsmodul [N/mm²]
I_minKleinst. Flächenträgheitsmoment [cm⁴]
βKnicklängenbeiwert [–]
LSystemlänge (Stablänge) [m]
L_k = β·LKnicklänge [m]
λSchlankheitsgrad [–]
i = √(I/A)Trägheitsradius [cm]
σ_kritEuler-Knickspannung [N/mm²]


Knicken – Grundlagen der Stabilitätstheorie

Was ist Knicken?

Knicken ist ein Stabilitätsversagen schlanker Druckstäbe: Bei Überschreitung der kritischen Last weicht der Stab seitlich aus – ohne dass die Druckfestigkeit des Materials erreicht wird. Knicken ist das häufigste Versagensbild bei Stützen, Säulen, Rahmenriegeln und druckbeanspruchten Gurten in Fachwerken. Die kritische Last hängt von der Biegesteifigkeit EI, der Knicklänge β·L und der Lagerungsbedingung ab – nicht von der Druckfestigkeit!

Euler-Fälle im Vergleich (L = 4 m, IPE 240, Stahl)
FallβL_k [m]F_krit [kN]
Euler 11,04,0371
Euler 20,72,8757
Euler 30,52,01 484
Euler 42,08,093
I_z(IPE 240) = 284 cm⁴, E = 210 000 N/mm²
Trägheitsradien i_z typischer Profile
Profili_z [cm]A [cm²]
IPE 2401,9739,1
IPE 2702,2145,9
HEB 2005,0778,1
HEB 3007,58149,1
RRO 100×53,4215,1

Detaillierte Formelherleitung

1. Euler-Gleichung – Herleitung aus der Differentialgleichung der Biegelinie
Die Differentialgleichung des gebogenen Druckstabs lautet:
E·I·y'' + F·y = 0
Lösung (Ansatz y = A·sin(kx), k² = F/EI) liefert die Bedingung k·L = n·π.
Für die kleinste kritische Last (n = 1):
F_krit = π² · E · I / L_k²  mit  L_k = β · L
Gilt nur für elastisches Materialverhalten (Euler-Hyperbel liegt unterhalb der Fließgrenze).
2. Schlankheitsgrad und Knickspannung
λ = L_k / i_min = β · L / √(I_min / A)
σ_krit = F_krit / A = π² · E / λ²  [N/mm²]
Gültigkeitsbereich Euler: σ_krit ≤ σ_P (Proportionalitätsgrenze, ca. 0,67 · f_y)
Stahl S235: σ_P ≈ 157 N/mm² → λ_min ≈ π·√(E/σ_P) ≈ 115
Für λ < 115 müssen Tetmajer/Johnson-Parabeln oder EC3-Knickspannungslinie verwendet werden.
3. Einfluss des Euler-Falls auf die Knicklast
Knicklänge L_k = β · L – der Knicklängenbeiwert β ergibt sich aus den Randbedingungen:
  • β = 1,0 (Euler 1): Beide Enden gelenkig gelagert – entspricht einer halben Sinuswelle
  • β = 0,7 (Euler 2): Ein Ende gelenkig, eines eingespannt – asymmetrisch, L_k = 0,7·L
  • β = 0,5 (Euler 3): Beide Enden eingespannt – L_k = 0,5·L, F_krit 4× höher als Fall 1
  • β = 2,0 (Euler 4): Kragstütze (unten eingespannt, oben frei) – L_k = 2·L, F_krit 4× kleiner als Fall 1

Praxisbeispiel: Hallenstütze HEB 200, Euler 2

Aufgabe:

Stahlstütze HEB 200, Länge L = 6,0 m, unten eingespannt, oben gelenkig (Euler 2, β = 0,7). Bemessungsdruckkraft F_Ed = 1 200 kN. Nachweis gegen Knicken (γ = 1,5).

Profildaten HEB 200:

I_z = 2 000 cm⁴, A = 78,1 cm², i_z = 5,07 cm, E = 210 000 N/mm²

Lösung:
  • L_k = β · L = 0,7 × 6,0 = 4,2 m
  • F_krit = π² × 210 000 × 2 000×10⁴ / (4 200)² = 23 550 kN
  • F_krit / γ = 23 550 / 1,5 = 15 700 kN
  • F_Ed = 1 200 kN ≤ 15 700 kN → ✓ Nachweis erbracht
  • λ = 4200 / (5,07×10) = 82,8 → Euler-Bereich gültig

Häufige Fragen

Die Euler-Formel gilt nur im elastischen Bereich, d. h. solange σ_krit ≤ Proportionalitätsgrenze des Materials (Stahl S235: ca. 157 N/mm², Grenzschlankheit λ_G ≈ 115). Für schlankere Stäbe (λ > 115 bei S235) ist die Euler-Formel konservativ. Für gedrungenere Stäbe (λ < 115) müssen Unterteilungsformeln nach Tetmajer, Johnson-Parabel oder die Knickspannungslinien a–d nach Eurocode EC3 (die auch Vorverformungen und Eigenspannungen berücksichtigen) verwendet werden.

Der Druckstab weicht immer in die Richtung aus, in der er den geringsten Biegewiderstand hat – also um die Achse mit dem kleinsten Flächenträgheitsmoment I_min. Bei einem IPE-Träger ist das I_z (schwache Achse), weil die Flansche schmal sind. Deshalb sind seitliche Halterungen (Querriegel, Verbände) so wirkungsvoll: Sie reduzieren die Knicklänge in der schwachen Achse, was die Knicklast stark erhöht.

Im klassischen Euler-Ansatz wird γ = 3 empfohlen (Richtwert DIN alt), da neben dem Knicken noch Imperfektionen, Vorverformungen und Eigenspannungen berücksichtigt werden müssen. Nach Eurocode EC3 wird der Nachweis mit Teilsicherheitsbeiwert γ_M1 = 1,0 (Stahl) und dem Abminderungsfaktor χ (Knickspannungslinie a–d) geführt: N_Ed ≤ χ · A · f_y / γ_M1. Für eine schnelle Vordimensionierung ist γ = 1,5 ein üblicher Anhaltswert.

Effektivste Maßnahmen in absteigender Wirkung:
  1. Knicklänge reduzieren – seitliche Halterungen einbauen, β von 1,0 auf 0,5 halbiert F_krit mal 4.
  2. Querschnitt vergrößern (Höhe/Breite) – I wächst mit h³, b linear.
  3. Hohlprofil statt IPE verwenden – RHS/CHS haben gleichmäßiges I in allen Achsen.
  4. Einspannung verbessern – Starre Fußpunkte reduzieren β von 1,0 auf 0,5 (Faktor 4 !).

Knicken (engl. buckling) bezeichnet das seitliche Ausweichen eines Stabs unter axialer Druckbelastung. Beulen (engl. plate buckling) bezeichnet das Stabilitätsversagen dünnwandiger Platten oder Schalen unter Druck, Schub oder kombinierter Belastung (z. B. Stegblechbeulen, Schalenbeulen von Silos/Tanks). Beide sind Stabilitätsprobleme (Gleichgewicht in verformter Lage), aber mit unterschiedlichen Formeln und Nachweisverfahren.

Zusammenfassung

Knicklast

F_krit = π²·E·I / (β·L)²
Einheit: N → kN

Schlankheitsgrad

λ = β·L / i
i = √(I/A)

Knicknachweis

F_Ed ≤ F_krit / γ
η = F_Ed·γ / F_krit ≤ 1

Typische Anwendungen
  • Hallenstützen: Stahlstützen IPE/HEB, Euler-Fall 2 oder 3
  • Fachwerkstäbe: Druckgurte und Pfosten, Euler-Fall 1 (gelenkig)
  • Holzstützen: Schlankheitsgrad λ ≤ 150 (EC5)
  • Masten und Kamine: Kragstützen, Euler-Fall 4 (β = 2,0)
  • Maschinenbau: Schraubenbolzen, Kolbenstangen, Streben

Ist diese Seite hilfreich?            
Vielen Dank für Ihr Feedback!

Das tut uns leid

Wie können wir die Seite verbessern?