Regenabfluss

Oberflächenabfluss · Rationale Methode · Kanalisation · Retention

Regenabfluss-Rechner


0 = kein Abfluss (Wasser versickert) · 1 = vollständiger Abfluss
100 mm/h ≈ 28 l/(s·ha) – Regendauer z.B. 15 min
Fläche des Einzugsgebietes; 1 ha = 10.000 m² = 0.01 km²

Formeln & Grundlagen

Rationale Methode:
Q = C · i · A  [m³/s]
C = Abflussbeiwert [−]  |  i = Regenintensität [mm/h oder m/s]
A = Einzugsgebiet [ha oder km²]
Abflussbeiwert C:
C = Q / (i · A)
Verhalten der Oberfläche: 0 (wasserundurchlässig, Versickerung) bis 1 (völlig versiegelt).
Regenintensität i:
i = Q / (C · A)  [mm/h]
Regen pro Flächeneinheit pro Zeiteinheit; abhängig von Regendauer (Intensität nimmt ab).
Einzugsgebiet:
A = Q / (C · i)
Gesamtkanaleneingzugsgebiet in ha oder km² (Dachflächen + Straßen + Grünflächen).

Typische Abflussbeiwerte
OberflächeCBeschreibung
Waldgebiet0.05–0.10Sehr durchlässig
Grünland / Parks0.10–0.20Niedrig versiegelt
Wohngebiet0.25–0.40Mittlere Versiegelung
Gewerbe / Dach0.50–0.70Hoch versiegelt
Verkehrsfläche0.85–0.95Vollständig versiegelt


Regenabfluss – Rationale Methode für Kanalisationsentwurf

Was ist Regenabfluss?

Regenabfluss (Oberflächenabfluss, Stormwater Runoff) ist der Wasservolumenstrom, der nach Niederschlag über die Erdoberfläche zu Gewässern oder in die Kanalisation fließt. Die rationale Methode ist ein bewährtes Verfahren zur Berechnung von Regenabfluss basierend auf Regendauer, Einzugsgebiet und Oberflächenbeschaffenheit.

Q = C · i · A
Der Abfluss ist proportional zum Abflussbeiwert, der Regenintensität und dem Einzugsgebiet.
Abflussbeiwert C

Oberflächencharakter: 0 = Wasser versickert völlig
1 = Wasser fließt vollständig ab

Beispiel: Grünanlagen C ≈ 0.10
Asphalt C ≈ 0.85

Regenintensität i

Häufigkeit & Dauer:
Kurzregen 15 min: i ≈ 100–200 mm/h
Dauern 60 min: i ≈ 30–60 mm/h

Regional unterschiedlich (lokale Regen-
häufigkeitstabellen verwenden)

Anwendungen: Kanalisation, Retention, Entwässerung

Kanalisation & Abwasser

Bemessung von Regenwasserleitungen, Trennsysteme oder Mischkanalisation.
Maßgebend: 2–5 Jahre Regendauer (HQ2, HQ5).

Retentionsanlagen

Regenspeicher, Regenrückhaltebecken,
Pufferspeicher zur Dämpfung von Spitzen.
Speichergröße nach Ereignisserie.

Oberflächenentwässerung

Parkplatz-, Verkehrsflächen-, Dachent- wässerung. Mulden, Gräben, Rinnen
bemessen.

Beispiel: Kanalbemessung Wohngebiet

Aufgabe:

Wohngebiet mit 25 ha Fläche. Durchschnittlicher Abflussbeiwert C = 0.35. Regendauer 15 min (HQ2): Intensität i = 100 mm/h. Welcher Abfluss Q muss der Kanal aufnehmen?

Lösung:
  • Q = C · i · A = 0.35 · 100 · 25
  • Q = 875 mm/h · ha = 875 / 360 ≈ 2.43 m³/s (Umrechnung: 1 ha·mm/h = 1/3600 m³/s)
  • Kanalquerschnitt für DN ~800 mm (Halbschaler) oder parallel Rohre

Häufig gestellte Fragen

Die rationale Methode ist empirisch und vereinfacht. Sie setzt voraus, dass der Regenabfluss nach kurzer Zeit ein stabiles Verhalten zeigt (Fließgleichgewicht). Für kleine bis mittlere Einzugsgebiete (< 300 ha) ist sie ausreichend genau. Für große Gebiete oder komplexe Topographien werden detailliertere Modelle (z.B. Niederschlag-Abflussmodelle) empfohlen.

Der Abflussbeiwert hängt von Oberflächentyp, Durchlässigkeit, Gefälle und Retentionswirkung ab.
Faustregel:
• Waldgebiet / Wiese: 0.05–0.15
• Wohngebiet mittel: 0.30–0.40
• Stadt / Verkehr: 0.70–0.95

Bei gemischten Flächen: gewichteter Mittelwert C_ges = (C₁·A₁ + C₂·A₂ + ...) / A_ges

Die Regendauer (t) bestimmt die Regenintensität i. Je länger das Ereignis, desto geringer die durchschnittliche Intensität.

Beispiel (Potsdam):
• 5 min, HQ2: i ≈ 200 mm/h
• 15 min, HQ2: i ≈ 100 mm/h
• 60 min, HQ2: i ≈ 35 mm/h

Die Regenhäufigkeitstabellen (z.B. „Starkregen-Tabellen" der DWA) sind regional unterschiedlich.

Flächengewichteter Mittelwert:

C_ges = (C_Dächer·A_Dächer + C_Straße·A_Straße + C_Grün·A_Grün) / (A_Dächer + A_Straße + A_Grün)

Beispiel: 8 ha Dach (0.95) + 10 ha Straße (0.85) + 7 ha Grün (0.15)
C_ges = (0.95·8 + 0.85·10 + 0.15·7) / 25 = 20.05 / 25 ≈ 0.80

Retentionsbecken dämpfen Abflussspitzen und verteilen sie zeitlich. Daraus entstehen drei Vorteile:

1. Kanal-Entlastung: Kleinere Rohre erforderlich
2. Gewässerschutz: Reduzierte Spitzenereignisse in Fließgewässern
3. Versickerung: Bei durchlässigem Boden kann Wasser in den Untergrund abfließen

Speichergröße wird nach Regenserie (Niederschlag – Durchfluss) bemessen.

Zusammenfassung

Abfluss Q

Q = C·i·A
[m³/s oder l/s]

Abflussbeiwert

C
[0 = Versickerung bis 1 = Abfluss]

Regenintensität

i [mm/h]
nach Regendauer & Region

Typische Anwendungen
  • Kanalbemessung: Regenkanal, Mischkanal, Trennsystem bemessen für Designsturm (HQ2, HQ5, HQ10)
  • Retentionsbecken: Speichervolumen für Abflussminderung und Abflussglättung
  • Parkplätze & Straße: Oberflächenentwässerung mit Mulden, Gräben oder Dränleitungen
  • Dachbegrünung: Bemessung von Dachflächen-Drainagen und Abflusskapazität
  • Grünflächenentwässerung: Versickerungs- oder Schwellenbereiche für Regenrückhaltung
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