Trägheitsmoment Verbundquerschnitt

Steiner-Anteile · Schwerpunktlage · T-Träger · Stahlbeton · Stahl-Beton-Verbundträger

Verbundquerschnitt-Rechner


Referenzachse (z.B. Unterkante = 0)
Verbund ← y₂ (Flansch-SP)
← y₁ (Steg-SP)

y_i = Abstand Schwerpunkt des Teilquerschnitts i von der Referenzachse (Unterkante)
Leere Zeilen werden ignoriert.
Teil 1
A_i [cm²]
I_i [cm⁴]
y_i [cm]
Teil 2
A_i [cm²]
I_i [cm⁴]
y_i [cm]
Teil 3
A_i [cm²]
I_i [cm⁴]
y_i [cm]
Teil 4
A_i [cm²]
I_i [cm⁴]
y_i [cm]

Formeln & Erläuterungen

1. Schwerpunktlage (statisches Moment):
ȳ = Σ(A_i · y_i) / Σ(A_i)
y_i = Abstand Teilschwerpunkt von Referenzachse (UK)
Summe über alle Teilquerschnitte i = 1…n
2. Steiner-Abstand:
d_i = y_i − ȳ
Abstand zwischen Schwerpunkt des Teilquerschnitts
und dem Gesamtschwerpunkt (positiv = oberhalb)
3. Steiner-Anteil (Parallelachsentheorem):
I_S,i = A_i · d_i²
Anteil aus der Verschiebung der Teilschwerpunktachse
auf die gemeinsame Schwerpunktachse. Immer positiv!
4. Gesamtträgheitsmoment:
I_ges = Σ(I_i + A_i · d_i²)
I_i = Eigenträgheitsmoment des Teilquerschnitts i
(Rechteck: I = b·h³/12 | Kreis: I = π·d⁴/64)
5. Widerstandsmomente:
W_u = I_ges / ȳ (Unterkante)
W_o = I_ges / (H − ȳ) (Oberkante)
H = Gesamthöhe des Querschnitts
6. Umrechnungszahl (Verbundquerschnitte):
n = E₁ / E₂
Werkstoff 2 auf Werkstoff 1 umrechnen:
A₂,eq = A₂ / n  |  I₂,eq = I₂ / n
Stahl/Beton: E_s = 210 000 N/mm², E_c ≈ 30 000 N/mm² → n ≈ 7

Eigenträgheitsmomente Standardquerschnitte
QuerschnittI [cm⁴]
Rechteck b×hb·h³/12
Kreis ∅dπ·d⁴/64
Kreisring D/dπ·(D⁴−d⁴)/64
Dreieck b×h (SP: h/3 v.UK)b·h³/36


Trägheitsmoment Verbundquerschnitt – Grundlagen & Anwendungen

Was ist das Steiner'sche Anteilverhältnis (Parallelachsentheorem)?

Das Parallelachsentheorem (Steiner'scher Anteil) ist das wichtigste Hilfsmittel zur Berechnung des Flächenträgheitsmoments zusammengesetzter Querschnitte. Es beschreibt, wie das Trägheitsmoment eines Teilquerschnitts sich erhöht, wenn seine Schwerpunktachse nicht mit der gemeinsamen Schwerpunktachse des Gesamtquerschnitts zusammenfällt.

Steiner'sches Theorem:
I_ges = Σ (I_i + A_i · d_i²)
d_i = Abstand zwischen der Teilquerschnitt-Schwerpunktachse und der Gesamtschwerpunktachse

Der Steiner-Anteil I_S,i = A_i · d_i² ist immer positiv und kann bei großen Abständen d_i das Eigenträgheitsmoment I_i um ein Vielfaches übersteigen. Deshalb sind weit vom Schwerpunkt entfernte Flächen – wie der Flansch eines T-Trägers – besonders effektiv zur Erhöhung der Biegesteifigkeit.

Typische Verbundquerschnitte
  • T-Träger (Stahlbau): Schweißträgerkombinationen aus Steg und Flanschplatten
  • Plattenbalken (Stahlbeton): Steg + mitwirkende Druckplatte
  • Verbundträger: Stahlprofil + Betonplatte (Dübelverbindung)
  • Holz-Beton: Brettstapeldecke + Betonschicht
  • Sandwichquerschnitt: zwei steife Deckschichten + Kern
Warum hat ein T-Träger ein hohes I?

Beim T-Träger liegt der Flansch weit vom Schwerpunkt entfernt. Der Steiner-Anteil A_F · d_F² des Flansches überwiegt sein Eigenträgheitsmoment I_F um ein Vielfaches. Gleiches Prinzip: Das Doppel-T-Profil (IPE, HEB) ist optimiert, weil beide Flansche maximalen Abstand zum Schwerpunkt haben. Dies liefert mit minimalem Materialeinsatz ein hohes I.

Berechnungsablauf Verbundquerschnitt

Beispiel: Geschweißter T-Träger (Steg 120×300 + Flansch 200×20)
  1. Teilflächen und Lagen bestimmen:
    Steg: A₁ = 36 cm², y₁ = 15 cm  |  Flansch: A₂ = 40 cm², y₂ = 31 cm
  2. Schwerpunkt berechnen:
    ȳ = (36·15 + 40·31)/(36+40) = (540+1240)/76 = 23,4 cm
  3. Eigenträgheitsmomente:
    I₁ = 1,2·30³/12 = 2700 cm⁴  |  I₂ = 20·2³/12 = 13,3 cm⁴
  4. Steiner-Abstände:
    d₁ = 15−23,4 = −8,4 cm  |  d₂ = 31−23,4 = +7,6 cm
  5. Steiner-Anteile:
    A₁·d₁² = 36·70,6 = 2541 cm⁴  |  A₂·d₂² = 40·57,8 = 2310 cm⁴
  6. Gesamtträgheitsmoment:
    I_ges = (2700+2541) + (13,3+2310) = 5241 + 2323 = 7564 cm⁴
  7. Widerstandsmomente:
    W_u = 7564/23,4 = 323 cm³  |  W_o = 7564/(32−23,4) = 7564/8,6 = 880 cm³

Stahl-Beton-Verbundträger – Umrechnungsquerschnitt

Beim Stahl-Beton-Verbundträger werden Stahlprofil und Betonplatte durch Kopfbolzendübel verbunden, sodass beide gemeinsam als ein Querschnitt tragen. Da die Materialsteifigkeiten unterschiedlich sind, wird ein Umrechnungsquerschnitt (ideeller Querschnitt) gebildet: Die Betonfläche wird durch n = E_s/E_c auf Stahl umgerechnet.

A_c,eq = b_eff · h_c / n  |  I_c,eq = b_eff · h_c³ / (12·n)
Typisch: IPE 270 + 120 cm breite Betonplatte 12 cm → I_ges ≈ 3,9 × I_s

Häufige Fragen

Steiner-Anteile (A_i · d_i²) beschreiben den Zuwachs des Trägheitsmoments durch die Verschiebung der Teilschwerpunktachse gegenüber der Gesamtschwerpunktachse. Sie sind proportional zum Quadrat des Abstands d_i – schon kleine Abstände liefern durch das Quadrat enorme Beiträge. Bei T-Trägern übersteigen die Steiner-Anteile die Eigenträgheitsmomente oft um den Faktor 10–100, weshalb der T-Träger trotz wenig Material ein sehr hohes Trägheitsmoment erreicht.

Über den Flächenschwerpunkt: ȳ = Σ(A_i · y_i) / Σ(A_i). Dabei ist y_i der Abstand des Teilschwerpunkts i von einer frei wählbaren Referenzachse (z.B. Unterkante). Das Ergebnis ist unabhängig von der Wahl der Referenzachse. Wichtig: Das Trägheitsmoment I_ges gilt nur für die Schwerpunktachse des Gesamtquerschnitts – nur in Bezug auf diese Achse hat I den Minimalwert!

Zustand I (ungerissen): Der vollständige Betonquerschnitt trägt mit. Das Trägheitsmoment I_I gilt für geringe Beanspruchungen (unterhalb der Rissschnittgröße M_cr).
Zustand II (gerissen): Im Zugbereich ist der Beton gerissen und trägt nicht mehr. Nur die Betondruckzone (Breite b, Höhe x) und die Bewehrung sind wirksam. Die Druckzonenhöhe x muss iterativ berechnet werden. I_II << I_I. Für Durchbiegungsberechnungen ist ein Mittelwert (Verfahren nach EC2: I_eff) zu verwenden.

Typischerweise liegt das Verhältnis I_ges / I_s bei vollständiger Verdübelung zwischen 3 und 5 für wirtschaftliche Verbundquerschnitte. Ein IPE 270 mit 120 cm breiter, 12 cm dicker Betonplatte liefert I_ges ≈ 22 500 cm⁴ gegenüber I_s = 5790 cm⁴ – ein Faktor von ca. 3,9. Die Biegesteifigkeit EI steigt noch stärker, da E_s > E_c: EI_comp / EI_s ≈ 3,9 (kein Faktor E, da auf Stahl bezogen).

In der Realität ist die Schubspannungsübertragung in einer breiten Betonplatte ungleichmäßig verteilt (Schubverzögerung). Deshalb wird nur eine wirksame Breite b_eff angesetzt: b_eff = b_0 + Σ b_eff,i (EC4: Abschnitt 5.4.1.2). Vereinfacht gilt für Einfeldträger: b_eff ≤ L_e/4 + Stegbreite, wobei L_e die effektive Spannweite ist. Für Decken b_eff ≈ Trägerabstand.

Zusammenfassung

Schwerpunktlage

ȳ = Σ(A_i·y_i) / Σ(A_i)

Steiner-Anteil

I_S,i = A_i · d_i²
d_i = y_i − ȳ

Gesamtträgheitsmoment

I_ges = Σ(I_i + A_i·d_i²)

Anwendungsfälle in der Praxis
  • Geschweißte Träger: Optimierung der Querschnittsgeometrie für minimales Gewicht bei gegebener Biegesteifigkeit
  • Stahlbeton-Plattenbalken: Umrechnungsquerschnitt (Zustand I) für Rissschnittgröße und Biegebemessung
  • Verbunddecken: Profilbleche + Betonaufbeton – vollständige und teilweise Verdübelung nach EC4
  • Holz-Beton-Verbund: Brettstapeldecke oder Brettschichtholzbalken mit aufbetonierter Druckplatte
  • Sandwichquerschnitte: Masten, Fassadenelemente, Leichtbaustrukturen

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