Keilriemen Rechner

Umfangsgeschwindigkeit · Leistung · Spannkraft · Übersetzung · Riemenlänge

Keilriemen-Rechner


Wirkdurchmesser (Laufdurchmesser) der Riemenscheibe
Typisch: Elektromotor 1450 oder 2900 min⁻¹

Formeln & Symbole

Grundformeln
Umfangsgeschwindigkeit:
v = π × d × n / 60 000
v [m/s], d [mm], n [min⁻¹]
Übertragene Leistung:
P = F_u × v × η
P [W], F_u [N], v [m/s], η = Wirkungsgrad
Spannkraft (Euler-Eytelwein):
F_1 / F_2 = e^(μ × β)
F_u = F_1 − F_2
β in Radiant; μ = Reibungskoeffizient
Übersetzungsverhältnis:
i = d₂ / d₁ = n₁ / n₂
i > 1 = Untersetzung; i < 1 = Übersetzung
Riemenlänge (offener Trieb):
L ≈ 2e + π/2 × (d₁+d₂) + (d₂−d₁)² / (4e)
e = Achsabstand [mm]

Symbolerklärung
vUmfangsgeschwindigkeit [m/s]
dScheibendurchmesser [mm]
nDrehzahl [min⁻¹]
PLeistung [W / kW]
F_uUmfangskraft [N]
F_1Zugtrumkraft [N]
F_2Leertrumkraft [N]
μReibungskoeffizient [0…1]
βUmschlingungswinkel [rad]
iÜbersetzungsverhältnis [–]
eAchsabstand [mm]
ηWirkungsgrad [0…1]


Keilriemen – Grundlagen

Was ist ein Keilriemen?

Ein Keilriemen ist ein biegsames, endloses Kraftübertragungselement mit trapezförmigem Querschnitt, das in die entsprechend geformten Rillen von Riemenscheiben eingespannt wird. Der Keileffekt sorgt dafür, dass der Riemen sich bei Belastung tiefer in die Rille presst und damit einen deutlich höheren Reibschluss erzielt als ein Flachriemen – bei gleicher Vorspannkraft bis zu dreifach höhere Umfangskräfte.

Keilriemen werden weltweit in unzähligen Anwendungen eingesetzt: von Landmaschinen und Werkzeugmaschinen über Kompressoren und Lüfterantriebe bis zu Automobilmotoren. Ihre Stärken sind geräuscharmer Betrieb, Schlupftoleranz, einfache Montage und die Fähigkeit, Stöße und Vibrationen zu dämpfen.

Vorteile
  • Hohe Reibungskraft durch Keilwirkung
  • Geräuscharmer, schwingungsdämpfender Betrieb
  • Wartungsarm und kostengünstig
  • Schutzt gegen Überlast durch Schlupf
  • Große Achsabstände überbrückbar
  • Kein Schmieröl erforderlich
Nachteile
  • Schlupf: keine exakte Synchronübertragung
  • Begrenzte Umfangsgeschwindigkeit (~35 m/s)
  • Regelmäßige Nachspannung erforderlich
  • Empfindlich gegen Öl und UV-Strahlung
  • Wirkungsgrad < Zahnriemen

Keilriemen-Profile nach DIN 2215 / ISO 4184

Die Normung definiert Profile nach Querschnittsgröße. Gebräuchliche klassische Profile sind:

Z (10×6 mm) | A (13×8 mm) | B (17×11 mm) | C (22×14 mm) | D (32×19 mm) | E (40×25 mm)
Format: Breite × Höhe. Schmalkeile (SPZ, SPA, SPB, SPC) sind kompakter und leistungsdichter.

Moderne Schmalkeilriemen (Wedge Belts) übertragen bei kleinerem Bauraum mehr Leistung und sind für höhere Drehzahlen geeignet. Kraftbandriemen (mehrere Keilriemen auf gemeinsamem Rücken) verhindern seitliches Flattern bei breiten Scheiben.

Detaillierte Formelherleitung

1. Umfangsgeschwindigkeit v

Der Umfang einer Scheibe beträgt π·d; pro Minute dreht sie n-mal:

v = π × d × n / 60 000
d [mm], n [min⁻¹] → v [m/s]
Beispiel: d = 200 mm, n = 1450 min⁻¹ → v = π × 200 × 1450 / 60 000 ≈ 15,2 m/s
2. Übertragene Leistung P
P = F_u × v × η
Beispiel: F_u = 500 N, v = 15 m/s, η = 0,95 → P = 500 × 15 × 0,95 ≈ 7 125 W ≈ 7,1 kW
3. Spannkraft nach Euler-Eytelwein

Das Verhältnis von Zugtrumkraft F₁ zu Leertrumkraft F₂ ergibt sich aus dem Haftreibungsgesetz für Riementriebe (Euler-Eytelwein-Gleichung):

F₁ / F₂ = e^(μ × β)
F_u = F₁ − F₂
β in Radiant (= Winkel in Grad × π / 180)
Beispiel: μ = 0,35, β = 170° = 2,967 rad → e^(0,35×2,967) ≈ 2,83
F_u = 500 N → F₂ = F_u / (e^(μβ)−1) ≈ 272 N, F₁ ≈ 772 N
4. Übersetzungsverhältnis i
i = d₂ / d₁ = n₁ / n₂
Beispiel: d₁ = 100 mm (Motor), d₂ = 300 mm (Maschine), n₁ = 1450 min⁻¹
i = 300/100 = 3,0 (Untersetzung), n₂ = 1450/3 ≈ 483 min⁻¹
5. Riemenlänge L (offener Trieb)
L ≈ 2e + π/2 × (d₁+d₂) + (d₂−d₁)² / (4e)
Beispiel: d₁=100, d₂=300, e=500 mm
L ≈ 2×500 + π/2×400 + 200²/2000 ≈ 1000 + 628 + 20 ≈ 1648 mm

Praxisbeispiel: Holzbandsäge

Aufgabe:

Ein Elektromotor (1450 min⁻¹, 3 kW) treibt über Keilriemen eine Holzbandsäge an. Antriebsscheibe d₁ = 120 mm, Abtriebsscheibe d₂ = 240 mm, Achsabstand e = 600 mm, μ = 0,35, η = 0,94.

Lösung:
  • v = π × 120 × 1450 / 60 000 = 9,11 m/s
  • i = 240/120 = 2,0 → n₂ = 1450/2 = 725 min⁻¹
  • F_u = P / (v × η) = 3000 / (9,11 × 0,94) ≈ 350 N
  • β₁ = 180° − 2·arcsin((d₂−d₁)/(2e)) ≈ 180° − 11,5° ≈ 168,5° = 2,94 rad
  • e^(μβ) = e^(0,35×2,94) ≈ 2,79
  • F₂ = 350 / (2,79−1) ≈ 196 N, F₁ ≈ 546 N
  • L ≈ 2×600 + π/2×360 + 120²/(4×600) ≈ 1200 + 565 + 6 ≈ 1771 mm

Häufige Fragen

Keilriemen übertragen Kraft durch Reibschluss und ermöglichen gewissen Schlupf – gut für Stoßdämpfung und Überlastschutz. Zahnriemen sind formschlüssig (keine Schlupf), ideal für synchrone Übertragung (z. B. Nockenwellenantrieb, CNC-Achsen), erfordern aber präzisere Montage und vertragen keine Ölkontaminierung.

Nach der Erstmontage setzt sich der Riemen ein – daher nach ca. 24 Betriebsstunden erstmals nachspannen. Danach reicht bei normaler Betriebsbelastung eine jährliche Überprüfung. Warnsignal: quietschende Geräusche oder sichtbarer Schlupf (Geschwindigkeitsdifferenz).

Mindestens 120° auf der kleineren Scheibe. Bei weniger als 120° wird die übertragbare Kraft deutlich reduziert und es tritt vorzeitiger Schlupf auf. Abhilfe: größerer Achsabstand, Spannrolle oder größeres Scheibenverhältnis.

Die Profilauswahl richtet sich nach der zu übertragenden Leistung und der Drehzahl des Antriebsmotors. Hersteller (z. B. Optibelt, Gates, ContiTech) stellen Auslegungsdiagramme bereit. Faustregel: Z/SPZ bis ~1 kW, A/SPA bis ~5 kW, B/SPB bis ~15 kW, C/SPC bis ~75 kW, D darüber.

Schlupf entsteht, wenn die Reibungskraft nicht ausreicht, um die Last zu übertragen – der Riemen gleitet dann auf der Scheibe. Elastischer Schlupf (0,5–2 %) ist konstruktiv unvermeidlich; Gleitschlupf bei Überlast führt zu erhöhtem Verschleiß und Wärmeerzeugung. Der Wirkungsgrad sinkt mit zunehmendem Schlupf.

Zusammenfassung

Geschwindigkeit

v = π × d × n / 60 000
Max. ~25–35 m/s

Leistung

P = F_u × v × η
η ≈ 0,92–0,97

Übersetzung

i = d₂ / d₁ = n₁ / n₂
Typisch i = 1 … 7

Typische Anwendungen
  • Werkzeugmaschinen – Drehbänke, Fräsen, Schleifmaschinen
  • Landmaschinen – Mähdrescher, Heuwender, Pumpen
  • Lüfter & Kompressoren – Klimaanlagen, Druckluftkompressoren
  • Automobilbau – Lichtmaschine, Lenkhilfepumpe (Poly-V-Riemen)
  • Fördertechnik – Bandförderer, Elevatoren

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