Kettentrieb Rechner

Kettenlänge · Übersetzung · Leistung · Drehmoment

Kettentrieb-Rechner


Norm: 6,35 | 9,525 | 12,7 | 15,875 | 19,05 mm

Formeln & Symbole

Grundformeln
Übersetzung:
i = z₂ / z₁
z₁ = Antriebsrad, z₂ = Abtriebsrad
Kettenlänge (Gliederzahl):
L = (z₁ + z₂) / 2 + 2 × (a / p)
a = Achsabstand [mm], p = Kettenteilung [mm]
Ergebnis L = Anzahl Glieder
Abtriebsdrehzahl:
n₂ = n₁ / i
n₁ = Antriebsdrehzahl
Abtriebsleistung:
P₂ = P₁ × η
η = Wirkungsgrad (0,95–0,99)
Drehmoment:
M = (P × 1000 × 60) / (2π × n)
P in [kW], n in [1/min] → M in [N·m]

Symbolerklärung
iÜbersetzungsverhältnis
z₁, z₂Zähnezahl Antrieb / Abtrieb
LKettenlänge (Gliederzahl)
aAchsabstand [mm]
pKettenteilung [mm]
n₁, n₂Drehzahl Antrieb / Abtrieb [1/min]
P₁, P₂Leistung Antrieb / Abtrieb [kW]
MDrehmoment [N·m]
ηWirkungsgrad [0…1]


Kettentrieb – Grundlagen

Was ist ein Kettentrieb?

Ein Kettentrieb ist eine Vorrichtung, die zwei Kettenräder (Sprockets) über eine Rollenkette verbindet. Die Kette überträgt Kraft und Drehbewegung zwischen dem Antriebsrad (z₁ Zähne) und dem Abtriebsrad (z₂ Zähne) über beliebige Abstände hinweg – ideal für Motorräder, Fahrräder, Industrieantriebe, Fördermaschinen und Zahnradbahnen.

Der Kettentrieb bietet eine wunderbare Mischung aus Flexibilität (beliebiger Achsabstand), Effizienz (95–99 %), Robustheit und Wartbarkeit.

Vorteile
  • Beliebiger Achsabstand
  • Hohe Effizienz (95–99 %)
  • Hohe Kraftübertragung bei kompakter Baugröße
  • Kompakte Bauform
  • Verschleißteil leicht austauschbar
  • Synchron (kein Schlupf)
Nachteile
  • Geräuschentwicklung
  • Verschleiß durch Reibung
  • Regelmäßige Wartung (Spannung, Verschleiß)
  • Begrenzte Drehzahl bei Leichtlast

Aufbau und Funktionsweise

Eine Rollenkette besteht aus inneren und äußeren Gliedern, die durch Rollen (kleine Räder) gekoppelt sind. Diese Rollen kämmen mit den Zähnen der Kettenräder und ermöglichen eine sanfte, gleichmäßige Kraftübertragung.

Kettenteilungen (DIN 606):
6,35 mm (1/4"), 9,525 mm (3/8"), 12,7 mm (1/2"), 15,875 mm (5/8"), 19,05 mm (3/4"), 25,4 mm (1") …

Detaillierte Formelherleitung

1. Übersetzung i

Das Übersetzungsverhältnis ergibt sich aus dem Quotienten der Zähnezahl:

i = z₂ / z₁
z. B.: z₁ = 15, z₂ = 40 → i = 40/15 ≈ 2,67 (Drehzahl wird 2,67× reduziert)
2. Kettenlänge L (in Gliedern)

Die Kettenlänge wird in Gliedern (nicht in Metern) angegeben. Die Formel berücksichtigt beide Kettenräder und den Achsabstand:

L = (z₁ + z₂) / 2 + 2 × (a / p)
z. B.: z₁ = 15, z₂ = 40, a = 200 mm, p = 12,7 mm
L = (15 + 40) / 2 + 2 × (200 / 12,7) ≈ 27,5 + 31,5 ≈ 59 Glieder
3. Abtriebsdrehzahl n₂

Mit dem Übersetzungsverhältnis:

n₂ = n₁ / i = n₁ × (z₁ / z₂)
Die Drehzahl wird um den Faktor i reduziert (bei i > 1)
4. Leistung & Wirkungsgrad
P₂ = P₁ × η
η = 0,95–0,99 (Kettentriebe sind sehr effizient)
5. Drehmoment

Aus Leistung und Drehzahl berechnet sich das Drehmoment:

M = (P × 1000 × 60) / (2π × n)
P in [kW], n in [1/min] → M in [N·m]

Kettenarten – ISO Größen

Teilung pTypTraglast
6,35 mm1/4"Leicht
9,525 mm3/8"Mittel
12,7 mm1/2"Mittel–schwer
15,875 mm5/8"Schwer
19,05 mm3/4"Sehr schwer
25,4 mm1"Extrem schwer
Typische Mindestzähnezahl
  • Antriebsrad (z₁): 15–21 Zähne
  • Abtriebsrad (z₂): 20–120 Zähne
  • Größere Räder sind stabiler, aber voluminöser
  • Kleinere z₁ = höhere Übersetzung

Praxisbeispiel – Motorradkettenantrieb

Gegeben:
Motorrad mit Antriebsrad z₁ = 15 Zähne, Abtriebsrad z₂ = 45 Zähne,
Motorleistung P = 15 kW, Motordrehzahl n₁ = 8000 1/min, Wirkungsgrad η = 0,97
Schritt 1: Übersetzung

i = z₂ / z₁ = 45 / 15 = 3,0

Schritt 2: Abtriebsdrehzahl (Hinterrad)

n₂ = n₁ / i = 8000 / 3 ≈ 2667 1/min am Hinterrad

Schritt 3: Abtriebsleistung

P₂ = P₁ × η = 15 kW × 0,97 = 14,55 kW Nutzleistung

Schritt 4: Abtriebsdrehmoment

M₂ = (14,55 × 1000 × 60) / (2π × 2667) ≈ 52 N·m am Hinterrad

Ergebnis: Trotz höherer Motorendrehzahl reduziert die 3:1-Untersetzung diese auf ~2667 U/min am Hinterrad und verstärkt das Drehmoment von ~16 N·m auf ~52 N·m.

Anwendungsgebiete

Fahrzeugtechnik
  • Motorradantrieb (Hinterrad)
  • Fahrradkette
  • Zahnradbahn Ritzel
  • Motorsäge-Kette
Maschinenbau
  • Vertikalförderer
  • Textilmaschinen
  • Druckmaschinen
  • Verpackungsmaschinen
Lagertechnik
  • Regalbediengeräte
  • Förderanlage
  • Palettenförderer
  • Schachtförderanlage

Häufige Fragen (FAQ)

Offene Ketten sollten regelmäßig gereinigt und geschmiert werden – idealerweise nach jeder Fahrt bei Motorrädern oder wöchentlich bei Industrieantrieben. Encloged Ketten sind wartungsfrei. Der Verschleiß lässt sich durch Nachmessen der Kettenlänge kontrollieren (0,5 % Dehnung toleriert).

Antriebsrad (Ritzel): mindestens 15 Zähne (sonst Verschleiß), optimal 17–21. Abtriebsrad: 20–150 Zähne je nach Anwendung. Größere Zahnzahlen reduzieren Lautrauheit und Verschleiß, aber erhöhen Bauvolumen und Trägheit.

Eine Rollenkette dehnt sich durch Verschleiß um etwa 0,5–1 % der ursprünglichen Länge aus. Bei 0,5 % Dehnung sollte die Spannung nachgestellt werden, bei 1 % wird die Kette gewöhnlich gewechselt. Gute Schmierung und korrekte Spannung erhöhen die Lebensdauer erheblich.

Die Kettenteilung wird durch die Kettenradgeometrie vorgegeben – beide Kettenräder müssen dieselbe Teilung haben. Für Neukonstruktionen: Leicht = 6,35 mm, Mittel = 12,7 mm, Schwer ≥ 19,05 mm. Alle Kettenräder und Ketten sind gekennzeichnet (z. B. „ISO 1/2" = 12,7 mm).

Kettenlärm entsteht durch: (1) zu lockere oder zu starre Spannung, (2) mangelnde Schmierung, (3) Verschleiß (Längung der Kette), (4) zu kleine Kettenräder (unter 15 Zähne). Abhilfe: Spannung prüfen (10–15 mm Durchhang bei 50 % Längung), schmieren, Kettenrad-Größe erhöhen.

Zusammenfassung

  • Kettentrieb verbindet zwei Kettenräder über eine Rollenkette synchron.
  • i = z₂ / z₁ bestimmt das Übersetzungsverhältnis.
  • L = (z₁ + z₂) / 2 + 2 × (a / p) berechnet die Kettenlänge in Gliedern.
  • Wirkungsgrad: 95–99 % (eine der effizientesten Antriebsarten!).
  • Kettenteilung nach DIN 606: 6,35 | 9,525 | 12,7 | 15,875 | 19,05 mm …
  • Mindestens 15 Zähne am Antriebsrad, Abtriebsrad bis 150 Zähne.
  • Typische Verschleißrate: 0,5–1 % Längung bis Wechsel erforderlich.
  • Anwendungen: Motorrad, Fahrrad, Industrieantriebe, Förderer, Textilmaschinen.

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