Van’t-Hoff (Temperaturabhängigkeit von K)
Bedeutung der Van’t-Hoff-Gleichung
Die Van’t-Hoff-Gleichung beschreibt, wie sich die Gleichgewichtskonstante K mit der Temperatur verändert. Damit lässt sich abschätzen, ob ein Gleichgewicht bei Erwärmung stärker auf die Produkt- oder Eduktseite verschoben wird.
Für exotherme Reaktionen (ΔH° < 0) sinkt K bei steigender Temperatur häufig. Für endotherme Reaktionen (ΔH° > 0) steigt K meist mit der Temperatur. So kann man Temperaturstrategien für Reaktion und Aufarbeitung besser planen.
- Gleichgewichtsverschiebung mit Temperatur quantifizieren
- Prozessfenster für gewünschte Ausbeute wählen
- Messwerte auf andere Temperaturen umrechnen
Formeln
Hinweis: R = 8.314 J·mol⁻¹·K⁻¹, ΔH° in kJ/mol wird intern in J/mol umgerechnet.
Legende für Formelsymbole
- K₁, K₂ = Gleichgewichtskonstante bei T₁ bzw. T₂
- ΔH° = Standard-Reaktionsenthalpie
- R = universelle Gaskonstante
- T₁, T₂ = absolute Temperatur in Kelvin
- ln = natürlicher Logarithmus
Ausführliche Beispiele
Gegeben: K₁ = 5,2 bei 298,15 K; ΔH° = -45 kJ/mol; T₂ = 318,15 K.
Ergebnis: K₂ wird kleiner als K₁. Das Gleichgewicht verschiebt sich mit steigender Temperatur in Richtung Edukte.
Setzen Sie ΔH° = +35 kJ/mol bei gleichen Temperaturen.
Dann steigt K₂ gegenüber K₁. Erwärmung begünstigt hier die Produktseite.
Aus K₁ bei T₁ und K₂ bei T₂ kann ΔH° direkt rückgerechnet werden.
Das ist nützlich, wenn Literaturwerte fehlen oder systemspezifische Daten benötigt werden.
• Verwenden Sie stets Kelvin.
• K muss positiv und dimensionslos sein.
• Bei sehr kleinem |ΔH°| wird die Temperaturabhängigkeit schwach und numerisch empfindlicher.
Vertiefung
Thermodynamische Einordnung
Die Van’t-Hoff-Beziehung ist eng mit \(\Delta G^\circ = -RT\ln K\) verbunden. Sie beschreibt die Steigung von \(\ln K\) über \(1/T\) und erlaubt damit eine direkte Interpretation von Enthalpieeffekten auf das Gleichgewicht.
Grenzen
Die Gleichung wird in dieser Form meist für einen Temperaturbereich genutzt, in dem ΔH° näherungsweise konstant bleibt. Bei sehr großen Temperaturintervallen oder stark temperaturabhängiger Wärmekapazität sind genauere Modelle sinnvoll.
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