Wirbelstrom-Bremse Rechner

Bremskraft · Bremsmoment · Magnetfeldstärke · Bremsleistung · Bremsverzögerung

Wirbelstrombremse-Rechner


Geometrie- und Materialfaktor; typisch 1–50 (Kupferscheibe)
Dauermagnet: 0,3–1,2 T | Elektromagnet: bis 2 T
Relativ-Geschwindigkeit zwischen Leiter und Magnet

Formeln & Symbole

Grundformeln
Bremskraft (linear):
F = k × B² × v
F [N], k [N·s/(T²·m)], B [T], v [m/s]
Bremsmoment (rotierend):
M = F × r = k × B² × v × r
M [N·m], r = Wirkradius [m]
Magnetflussdichte:
B = √(F / (k × v))
Erforderliche Feldstärke für gewünschte Bremskraft
Bremsleistung (Wärme):
P = F × v = k × B² × v²
P [W] – vollständig in Wärme umgewandelt
Bremsverzögerung:
a = F / m
a [m/s²], m = Masse [kg]

Symbolerklärung
FBremskraft [N]
MBremsmoment [N·m]
kBremskonstante [N·s/(T²·m)]
BMagnetflussdichte [T]
vRelativgeschwindigkeit [m/s]
rWirkradius [m]
PBremsleistung / Wärme [W]
aBremsverzögerung [m/s²]
mMasse [kg]
σElektrische Leitfähigkeit [S/m]


Wirbelstrom-Bremse – Grundlagen

Was ist eine Wirbelstrombremse?

Eine Wirbelstrombremse (auch Eddybremse oder magnetische Bremse) ist ein berührungsloser Verzögerungsmechanismus, der auf dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion beruht. Ein bewegter elektrischer Leiter (z. B. eine rotierende Metallscheibe) wird in ein starkes Magnetfeld gebracht – dadurch werden im Leiter Wirbelströme induziert, die nach dem Lenz'schen Gesetz einer Gegenkraft erzeugen und den Leiter abbremsen.

Der entscheidende Vorteil: Es gibt keinen mechanischen Kontakt und damit keinen Verschleiß. Die kinetische Energie wird vollständig in Wärme umgewandelt, die über den Leiter abgeführt werden muss. Wirbelstrombremsen sind daher nur für kurzzeitige oder kontinuierliche Bremsung geeignet, wenn ausreichende Kühlung vorhanden ist.

Vorteile
  • Kein mechanischer Verschleiß
  • Berührungsloser Betrieb
  • Stufenlos regelbar (via Magnetfeldstärke)
  • Sehr schnelle Regelantwort
  • Wartungsarm und langlebig
  • Kein Bremsstaub / sauberer Betrieb
Nachteile
  • Keine Haltewirkung bei v = 0
  • Wärmeentwicklung muss abgeführt werden
  • Höherer Bauaufwand (Magnete, Kühlung)
  • Bremskraft stark von Geschwindigkeit abhängig
  • Bei niedrigen v schwächere Bremswirkung

Physikalisches Prinzip – Lenz'sches Gesetz

Wenn ein elektrisch leitfähiger Körper (Kupfer, Aluminium, Stahl) ein Magnetfeld durchquert, ändert sich der magnetische Fluss durch ihn. Nach dem Faraday'schen Induktionsgesetz entsteht dabei eine elektrische Spannung, die Wirbelströme antreibt. Diese Ströme erzeugen nach dem Lenz'schen Gesetz ein entgegengesetztes Magnetfeld und damit eine Bremskraft.

Induzierte Spannung (Faraday):
U_ind = −dΦ/dt = −B × l × v
Φ = magnetischer Fluss [Wb], l = Leiterlänge [m], v = Geschwindigkeit [m/s]
Wirbelstrom im Leiter:
I_w = U_ind / R_leiter
R_leiter hängt von Geometrie und Leitfähigkeit σ ab
Bremskraft (Lorentz):
F = I_w × B × l = k × B² × v
k fasst Geometrie, Leitfähigkeit und Fläche zusammen

Detaillierte Formelherleitung

1. Bremskraft F

Die Bremskraft ist proportional zum Quadrat der Magnetflussdichte und zur Geschwindigkeit:

F = k × B² × v
k = σ × d × A_eff (σ = Leitfähigkeit, d = Leiterdicke, A_eff = wirksame Fläche)
Beispiel: k = 8, B = 0,8 T, v = 10 m/s → F = 8 × 0,64 × 10 = 51,2 N
2. Bremsmoment M

Für rotierende Systeme ergibt sich das Bremsmoment aus Bremskraft und Wirkradius:

M = F × r = k × B² × v × r
Beispiel: F = 51,2 N, r = 0,15 m → M = 7,68 N·m
3. Erforderliche Magnetfeldstärke
B = √(F / (k × v))
Beispiel: F = 50 N, k = 8, v = 10 m/s → B = √(50/80) = √0,625 ≈ 0,79 T
4. Bremsleistung P

Die gesamte Bremsleistung wird in Wärme umgewandelt. Sie steigt quadratisch mit der Geschwindigkeit:

P = F × v = k × B² × v²
Beispiel: k = 8, B = 0,8 T, v = 10 m/s → P = 8 × 0,64 × 100 = 512 W
5. Bremsverzögerung a
a = F / m
Beispiel: F = 51,2 N, m = 500 kg → a = 51,2 / 500 = 0,102 m/s²

Bremskonstante k – Materialabhängigkeit

Die Konstante k hängt stark von Material und Geometrie ab. Näherungsformel für eine flache Leiterscheibe:

k ≈ σ × d × A_eff
σ = elektrische Leitfähigkeit [S/m], d = Scheibendicke [m], A_eff = wirksame Magnetfläche [m²]
Typische Leitfähigkeiten:
Kupfer: σ ≈ 5,8 × 10⁷ S/m | Aluminium: σ ≈ 3,5 × 10⁷ S/m | Stahl: σ ≈ 1–7 × 10⁶ S/m

Praxisbeispiel: Achterbahn-Bremse

Aufgabe:

Eine Achterbahn (Masse 1800 kg) soll von 72 km/h (20 m/s) auf 36 km/h (10 m/s) abgebremst werden. Verfügbar: Aluminiumschienen mit k = 12, Elektromagnete mit B = 1,0 T.

Lösung bei v = 20 m/s:
  • F = 12 × 1,0² × 20 = 240 N
  • a = 240 / 1800 = 0,133 m/s²
  • P = 240 × 20 = 4 800 W (Wärme in Schienen)
Lösung bei v = 10 m/s (Ende des Bremsvorgangs):
  • F = 12 × 1,0² × 10 = 120 N
  • a = 120 / 1800 = 0,067 m/s²
  • → Bremskraft halbiert sich! Für konstante Verzögerung: B regeln.

Häufige Fragen

Weil die Bremskraft F = k × B² × v direkt proportional zur Relativgeschwindigkeit v ist. Bei v = 0 gibt es keine Änderung des magnetischen Flusses, keine Induktion, keine Wirbelströme – und damit keine Bremskraft. Deshalb wird in Fahrzeugen stets eine kombinierte Bremse (Wirbelstrom + Reibungsbremse) eingesetzt.

Ideal sind Werkstoffe mit hoher elektrischer Leitfähigkeit: Kupfer (beste Wirkung, teuer), Aluminium (gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, leicht), und Stahl (günstig, aber 5–10× schlechtere Leitfähigkeit). Für Hochleistungsanwendungen werden oft Kupfer- oder Aluminium-beschichtete Stahlscheiben verwendet.

Bei Elektromagneten wird der Strom im Erregerwicklung variiert (I → B → F). Da F ~ B², reicht eine geringe Stromänderung für große Kraftänderungen. Permanentmagnetsysteme können den Magneten mechanisch ein-/ausfahren oder kippen. Moderne Systeme nutzen elektronische Regelkreise für millisekundengenaue Reaktion.

Hochgeschwindigkeitszüge (ICE, TGV, Shinkansen) nutzen lineare Wirbelstrombremsen in den Schienen. LKW und Busse verwenden Retarder (rotierende Wirbelstrombremsen) als verschleißfreie Dauerbremse für Gefällestrecken. Freizeitanlagen (Achterbahnen, Turmspringer-Lifts) nutzen sie als sichere, wartungsarme Bremsen. Prüfstände verwenden sie zur definierten Lastaufbringung.

Die Bremsscheibe oder der Retarder-Rotor muss die Wärme an die Umgebung abgeben. Methoden: Luftkühlung (Fahrtwind, Lüfterrippen), Wasserkühlung (bei hoher Dauerleistung), oder thermische Massen (bei kurzzeitigem Betrieb). Bei Übertemperatur sinkt die Leitfähigkeit σ, was die Bremswirkung reduziert (Fade-Effekt).

Zusammenfassung

Bremskraft

F = k × B² × v
Kein Verschleiß, kein Kontakt

Bremsleistung

P = k × B² × v²
Vollständig in Wärme

Regelung

F ~ B² (quadratisch)
Schnell, stufenlos

Typische Anwendungen
  • Hochgeschwindigkeitszüge – Lineare Wirbelstrombremsen in Schienen (ICE, TGV)
  • LKW-Retarder – Verschleißfreie Dauerbremse für Gefällestrecken
  • Achterbahnen – Sichere, wartungsarme Geschwindigkeitsregelung
  • Motorenprüfstände – Definierte Lastaufbringung ohne Abnutzung
  • Magnetbremsen – Sicherheitsabsicherung in Aufzügen und Hebeanlagen

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